Wie das Feedback der Toastmasterin Jo Li meine Redethemenwahl radikal änderte

Redethemenwahl Rhetorik

Osteopathie: Interessante Technik. Doch ein packendes Redethema?

Wenn Sie über alles reden könnten, über was würden Sie reden? Als ich in meinem Rhetorikclub anfing, interessierte mich kaum etwas mehr als die Osteopathie. Eben diese beeinflusste meine Redethemenwahl stark: Ich nahm ein lebensgroßes Wirbelsäulen- und Schädel-Modell, sowie das selbstgemalte Plakat einer Leber mit vor das Publikum und erzählte über die parietalen, craniosacralen und viszeralen Aspekte dieser Alternativmedizin-Methode. Sieben Minuten lang. Vor etwa zehn BerlinerInnen, einem Neuseeländer und einer Taiwanesin. Da ich Blickkontakt mit dem Publikum weitestgehend vermied, wurde mir deren Unverständnis erst später, anhand des höflich irritierten Feedbacks, klar. Die meisten hatten statt „Osteopathie“ „Osteoporose“ verstanden!

Zweiter Versuch in anatomischer Aufklärung

Zur nächsten Rede beschloss ich, praktischer zu werden und erst einmal das vegetative Nervensystem zu erklären. Mit speziellem Schwerpunkt auf Funktion und Verlauf des wichtigsten parasympathischen Nervs, des Nervus Vagus. Auch dafür schleppte ich die Wirbelsäule und das Schädelmodell mit auf die Bühne. Neugierig las ich anschließend das schriftliche Feedback der anderen Mitglieder. Hatten sie diesmal etwas verstanden? Jo-Li , die junge Taiwanesin, hatte geschrieben: „Enough with the bones already!!!“. Und ich war es, die verstehen musste.

Das AHA-Erlebnis

Seit diesem Tag hielt ich Reden mit für das kerngesunde Publikum faszinierenderen Themen. Zum Beispiel: „Die Beeinflussung der Berufswahl einer Achtjährigen“, „Der letzte Abschied von meinem ehemaligen Chef“ und „Die psychologischen Aspekte weiblicher Fingernägel“. Nach und nach grub ich tiefer und erkannte, was die hinter meinen Themen liegenden Themen waren, nämlich: Angst. Liebe. Jedermanns und jederfraus Einzigartigkeit. (Das wird vor allem auch in meinem Buch Selbstmarketing für Schüchterne deutlich.)

Was sind Ihre Themen? Und was sind die Themen hinter Ihren Themen?

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Susanne,
    beeindruckend, die Schilderung deiner Reise vom Abstrakten zum Emotionalen. Menschen bewegen, mitreissen und überzeugen – genau schafft gute Rhetorik. Mit den emotionalen Themen hast du das geschafft.
    Gratulation auch zum Pokal bei den Toastmasters!

    Gruß
    Eva

  2. Very interesting subject , appreciate it for posting. „All human beings should try to learn before they die what they are running from, and to, and why.“ James Thurber.

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