Selbstbewusstsein und Rhetorik

Selbstbewusstsein und Rhetorik

Wenn Sie was zu sagen haben: Reden. ©depositphotos.com/yuryimaging

Ich glaube an das, was ich tue. Und ich spreche auch darüber. John Lennon

Haben Sie Angst davor, ein langweiliger, unorigineller, dauerschwafelnder Redner oder eine solche Rednerin zu sein? Diese Angst kann Sie gerne weiter treiben! (Sie bewahrt Sie davor, ein solcher oder eine solche zu werden.) Die Angst, die loszulassen sich lohnt, ist die davor, überhaupt zu reden.

Selbstbewusstsein, im Sinne von Selbst-Bewusstsein, ist die Grundlage für so einiges. Selbstvertrauen, Selbstliebe, Selbstwirksamkeit:  „Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben“ duzte schon Goethe — wer hätte gedacht, dass ich den mal zitiere — als Anapher.

Bewusst überzeugen — Rhetorik nach Aristoteles

Im Zusammenhang mit Rhetorik ist der Begriff Selbstbewusstsein also alles andere als redundant. Alle drei Formen der rhetorischen Überzeugung, so wie Aristoteles sie beschrieb, werden dadurch verstärkt oder gar erst möglich:

  • Ethos — Die Glaubwürdigkeit des Redners / der Rednerin: Authentisch Ihren Standpunkt zu vertreten, setzt voraus, den erstmal zu kennen. Für was stehen Sie? Und dann: Stehen Sie zu sich selber? Sind Sie sich Ihrer Außenwirkung bewusst? Auch der Themen und Geschichten, die Sie mitbringen, bevor Sie auch nur Ihren Mund geöffnet haben?
  • Pathos — Der emotionale Zustand des Publikums: Wer seiner Selbst bewusst ist, kann sich gelassener auf das Bewusstsein anderer Menschen einlassen. So ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, sein Publikum zu überzeugen, es zu kennen. So als wären Sie in seinen Schuhen.
  • Logos — Das Argument: Gute RedenschreiberInnen konstruieren ihre Reden so bewusst wie RomanautorInnen ihre Bücher. Vom Ende aus gedacht. Wie wollen Sie mit Ihrer Rede inhaltlich überzeugt haben, wenn die Rede gehalten ist? Was ist, aus Ihrer Perspektive heraus, Ihr bestes Argument? Wie wollen Sie darauf vorbereiten? Zu was letztlich — wenn überhaupt — aufrufen?

Ganzheitliches Selbstbewusstsein

Innere und äußere Haltung, Ihre Körpersprache und Stimme, Struktur und Humor, ja, sogar so scheinbar oberflächliche Aspekte wie Kleidung, Frisur und Brille, haben Einfluss darauf, was Sie als RednerIn darstellen. Rhetorik ist ein weites Feld, ganzheitliches  Selbstbewusstsein ist eine gesunde und effektive Grundlage dafür. Und beides ist nicht angeboren, sondern kann geübt werden. Die Ausdrucksfreude wächst mit.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke schöne Kurzzusammenfassung zum Thema 🙂
    Ich frage mich aber, inwiefern du tatsächlich die Unterschiede ziehst zw. Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen…
    bis hin zu solch „modernen“ essenziellen Vokabeln wie Selbstmitgefühl oder gar Selbstliebe (Meiner Meinung nach die Krönung UND die Wurzel allen Glücks…)
    http://lernenderzukunft.com/selbstbewusstsein-selbstwert-selbstvertrauen-selbstliebe-trainieren/
    Was meinst du?
    alles liebe einstweilen
    Andreas

    • Ja, es gibt viele schöne Wörter, die mit Selbst anfangen. Für den Zusammenhang mit Rhetorik habe ich mich in diesem Beitrag bewusst für Selbstbewusstsein entschieden, auch im Sinne von Selbst-Bewusstsein. Das halte ich für die klarste Basis für überzeugendes öffentliches Reden.

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