Schüchtern und prominent

Schüchterne Prominente gibt es!

Manche Schüchterne stehen im Rampenlicht. ©Depositphotos.com/choreograph

Für „Selbstmarketing für Schüchterne“ plante ich ursprünglich, auch schüchterne Prominente zu interviewen. Deutschsprachige Prominente versteht sich.

Denn dass Julia Roberts bekennend schüchtern ist, Hugh Grant und Robert de Niro keinen Hehl aus ihren Ängsten machen, ist bekannt. Dass Marilyn Monroe ebenso ängstlich war wie Johnny Depp, laut Presse, scheu ist und selbst John Wayne nicht so angstfrei war wie die Figuren, die er verkörperte, ist ebenfalls belegt.

Über deutsche lebende Schüchterne mit „Prominentenstatus“ fand ich aber nichts in der deutschsprachigen Fachliteratur. Also recherchierte ich selber. Als Quellen dienten mir, neben dem Internet auch ehemalige KollegInnen aus der Medienbranche.

Bald hatte ich eine kleine Liste „inoffiziell Schüchterner“ zusammen, suchte mir fünf davon aus, die ich interviewen wollte und schrieb eine freundliche E-Mail. Und wartete. Und bekam keinerlei Antwort.

Die Herausforderung war, das Schweigen der Schüchternen nicht persönlich zu nehmen. Ich erzählte einem Journalisten-Kollegen von meiner Erfahrung bzw. Nicht-Erfahrung. Er lachte. Nicht über mich, sondern darüber, dass er auch einmal einen Artikel über deutsche Schüchterne schreiben wollte und von denen keinerlei Rückmeldung bekam. Er hätte sich ziemlich geärgert und diese Promis für arrogant gehalten.

Arrogant? Fakt ist: sie wollen einfach nicht darüber reden. Warum? Da kann ich nur spekulieren. Vielleicht, weil sie sich schämen, schüchtern zu sein. Vielleicht, weil sie glauben, dass es sich nicht gehört, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. Vielleicht auch, weil sie einfach ihre Ruhe haben wollen.

In England oder direkt im extravertierten Amerika ist das offenbar anders. Dort wird von den Stars auch und gerade die eigene Schüchternheit gerne als Zutat der „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Story thematisiert.

Glücklicherweise fand ich für mein Buch andere interessante InterviewpartnerInnen. Und kaum hatte ich das Manuskript abgegeben, las ich ein besonders schönes Zitat zum Thema. Es ist, immerhin nah dran an uns Deutschen, von einer Kontinental-Europäerin. Von der französischen Filmschauspielerin Léa Seydoux: „Im Grunde meines Herzens bin ich ein ängstlicher Mensch. Ich versuche meine Ängste durch meine Arbeit zu überwinden. Das hilft mir, meine Rollen zu gestalten. So entsteht aus meiner Angst etwas Neues, Kreatives.“(gala.de vom 2.5.2014) Vorbildlich mutig diese Französin.

 

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