Schüchtern, introvertiert oder nur arrogant?

Manche Schüchterne und Introvertierte wirken arrogant

Schüchtern? Ein schwer zu interpretierender Blick. ©Depositphotos.com/metalmaus

Schüchterne Menschen werden oft für arrogant gehalten, weil sie z.B. Blickkontakt und Gespräche meiden. Introvertierte Personen werden vermutlich ebenso oft für arrogant gehalten. Nur: denen macht es weniger aus, weil sie ja „von Natur aus“ nicht viel Kommunikationsbedarf haben. Schüchterne hingegen hegen einen Kontaktwunsch und leiden gleichzeitig unter der Hemmung, diesen in die Tat umzusetzen.

Extravertierte Menschen, die „von Natur aus“ ihre Energie aus dem Austausch mit anderen beziehen, können oft nicht verstehen, dass sich ein Mensch, der anders gestrickt ist,  dem Gespräch mit ihnen nicht ungehemmt enthusiastisch zur Verfügung stellt. Und werten dies als persönliche Ablehnung – oder eben Arroganz.

Wie geht es nun hochsensiblen Menschen, 70 % davon sind ja eher introvertiert, mit geselligen Gesprächsrunden, zumal solchen, die sie inhaltlich nicht für relevant halten? Diese haben mein vollstes Mitgefühl. Zumal eben auch Hochsensible für „arrogant“, wenn nicht gar für „etepetete“ gehalten werden.

„Wir können nicht nicht kommunizieren“  (Paul Watzlawick)

Es gibt nur zwei wirklich gute Gründe, auch dann bewusst zu kommunizieren, wenn einem nicht unbedingt danach ist (unbewusst kommunizieren wir ohnehin): Einer davon ist der Beruf, speziell das Selbstmarketing dafür. Dort ist Kommunikation, persönlich und schriftlich, digital und analog, unumgänglich, um eigene und natürlich auch gemeinsame Ziele zu erreichen.

Der andere Grund bewusst zu kommunizieren, auch wenn das nicht zu den eigenen Lieblingstätigkeiten zählt, sind berufliche und private Beziehungen. Da braucht es den verbalen und nonverbalen Dialog, um überhaupt welche entstehen zu lassen und um deren Qualität zu vertiefen. Zum Beispiel auch dadurch, dass Konflikte rechtzeitig und wahrhaftig angesprochen werden.

Mut tut gut

Wenn Sie also schüchtern sind, für arrogant gehalten werden und darunter leiden: Stellen Sie die Situation, zumindest wenn Ihnen diese spezielle Person wichtig ist, ruhig und angemessen klar. Persönlich oder auch in einem Brief (oder natürlich in einem Gedicht oder Lied). Sie haben ein Recht auf Selbstausdruck. Ansonsten: Kümmern Sie sich nicht darum, was andere Menschen (vor allem solche, die ohnehin weder Ihre passenden KundInnen noch Ihre passenden FreundInnen und PartnerInnen sind) über Sie denken. Wichtig ist, was Sie über sich denken. Und wen und was Sie lieben.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,
    wunderbarer Artikel, bin sehr oft auf der Suche nach Artikeln, die mir aus der Seele sprechen. Die Introvertierheit beschäftigt mich seit einer geraumen Zeit, hab selbst viele Bücher dazu gesucht, allerdings findet man immer Bücher über die Schuchternheit/Sociale Phobie etc. Nur leider keine qualitativen Bücher die introvertierte Menschen ansprechen. Deshalb surfe ich gerne im Netz, um mich mit diesen Thema zu beschäftigen. Bei mir fing es am Arbeitsplatz an, wo mich meine Arbeitskollegen als sehr zurückhaltend beschrieben. Manche meinen sogar, dass ich sehr leise rede und oftmals an Gesprächen nicht teilnehme, eine Person die anderen eher zuhören kann und Sachen analysiere. Doch bin ich mit einer Person alleine kann ich oftmals wie ein Wasserfall reden und komme nicht zum Ende. Meine Freundin ist das Gegnteil von mir, sie ist sehr offen, redet die Leute oftmals direkt an und versteht sich mit Wildfremden Menschen auf Anhieb. Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass immer mehr Artikel den introvertierten Leser ansprechen und uns Kraft geben, dass wir doch zur Gesellschaft gehören. Auch ein sehr guter Beitrag neben dem, der mir Kraft gegeben hat: http://www.derneuemann.net/introvertierte-maenner-eigenschaften/768 Ansonsten würde ich mir liebend gerne mehr zu diesem Thema wünschen.

    Ich bin froh, dass ich introvertiert bin, auch wenn es einige Nachteile mit sich bringt, trotzdem sollte jeder zu seinem ICH stehen.

    Viele Grüße – die Welt braucht auch Leute unserer Art!

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