Positives Denken und das Gegenteil

Positives Denken

Was haben Orchideen mit positivem Denken zu tun? Sie sind auch kritisch betrachtet schön.

Vor ein paar Tagen rief mich meine Freundin Heidi an, die als Freiberuflerin arbeitet. Ich saß gerade an meinem Computer und wollte das unsägliche Problem von Weblinks von einer https://- zu einer http://-Webseite lösen. Entsprechend war meine Laune. „Mein neuer Auftraggeber hat seine Rechnung nicht bezahlt“, sagte sie. „Hast du schon eine Mahnung geschrieben?“. „Ja, habe ich, vor Wochen.“ „Du weißt schon, dass du nicht mal einen Anwalt brauchst, um das einzuklagen?“ „Das ist nicht fair, dass der nicht zahlt!“ „Nicht fair?“ „Ja. Ich habe doch gute Arbeit gemacht.“ Ich weiß, es ist fies, doch ich musste unwillkürlich lachen und das dann erklären: „Kennst Du Mark Aurel? Ich meine nicht den Freund von Jürgen Drews Tochter, sondern…“ Sie unterbrach mich unhöflich: „Natürlich weiß ich, wer Aurel ist, ich bin doch nicht doof!“ „Einer der Stoiker, römischer Kaiser und Philosoph. Den hat neulich jemand in einem Podcast zitiert“, fuhr ich meinen Satz fort, während ich nach den Worten, die ich mir notiert hatte, suchte. Da waren sie, ich las vor: „Beginne jeden Tag, indem du dir sagst: Heute werde ich es mit Störungen, Undankbarkeit, Frechheit, Treulosigkeit, Feindseligkeit und Eigennützigkeit zu tun bekommen…“ Meine Freundin Heidi unterbrach mich wieder: „Das ist doch gegen das Gesetz!“ „Was ist gegen das Gesetz? Seine Rechnungen nicht zu begleichen?“ „Nein, dieser Satz.“ „Hä?“ Plötzlich, Aha, wurde mir klar, worauf Sie mit Gesetz anspielte. Das Gesetz der Anziehung, The Secret, im Grunde: positives Denken.

„Ist ja alles gut und schön mit dem positiven Denken. Nichts gegen Lösungsorientiertheit.“, sagte ich. „Aber?“ Aber durfte ich jetzt auf keinen Fall sagen! Da fiel mir die Lösung ein: „Kontrast!“ „Was?“ „Kontrast. Das sagen doch die Anhänger des Gesetzes der Anziehung, wenn in der Realität etwas passiert, das nicht im Einklang mit der eigenen Vision ist. Das ist dann dazu da, einem die Vision noch mal klarer zu machen.“ Sekunden Stille am anderen Ende der Leitung, dann: „Also, ich ruf jetzt meinen Anwalt an!“

Nachdem ich aufgelegt hatte, las ich mir den Satz noch mal ganz durch: „Beginne jeden Tag, indem du dir sagst: Heute werde ich es mit Störungen, Undankbarkeit, Frechheit, Treulosigkeit, Feindseligkeit und Eigennützigkeit zu tun bekommen – alles aufgrund der Ignoranz des Täters darüber, was gut und was böse ist.“ Also, mir machen diese Worte gute Laune.

Schreibe einen Kommentar