Metaphern finden — Wo Körper und Seele sich schneiden?

Metaphern finden

Metapher für Erleuchtung? Symbolfoto. ©depositphotos.com/karelnoppe

Eine Metapher ist kein Ornament. Sie ist ein Wahrnehmungsorgan.“  Neil Postman

Müssen Sie bei dem Wort Metapher auch nur an schlechten Deutschunterricht denken? Oder hatten Sie Glück und eine Lehrerin, die mögliche Lebendigkeit vermitteln konnte? Klar, grundsätzlich bedeutet Metapher einfach nur Übertragung, X=Y also. Eine Analogie, nur ohne das wie dazwischen. Etwas Unbekanntes wird mit etwas Bekanntem erklärt. So kann beispielsweise eine schwierige Situation als Feuerprobe oder als Schatzsuche bezeichnet und dann auch so begriffen werden. Als möglicherweise tödliche Hitze oder als Neugier weckend. Passende Metaphern machen Lyrik spürbar und Wissenschaft verstehbar.

Metaphern zum Selbermachen

Der Bereich in unserem Gehirn, in dem Metaphern verarbeitet werden, ist, laut Wissenschaft, besonders stark mit Spiegelneuronen versetzt. Spiegelneurone produzieren Mitfühlen und ermöglichen sich hineinzuversetzen. Die meisten Menschen merken sehr genau, was eine gute oder eine wenige gute Metapher ist. Und wenn jemand eine passende Metapher braucht, um etwas zu verdeutlichen? So ging es mir vor ein paar Tagen. Ich wollte in einem Blogbeitrag für meine Praxis über die beiden Angebote Osteopathie und Integrative Körperpsychotherapie schreiben. Und zwar, dass diese Methoden sich sehr gut ergänzen, gleichzeitig alternativ, gelegentlich komplementär. In welches Wort konnte ich das fassen?

Der kreative Vier-Phasen-Plan

  1. Vorbereitung (Preparation): Ich definierte genau, was ich wollte: Ein Wort, das beschreibt, in welchem Verhältnis Osteopathie und Integrative Körperpsychotherapie stehen. Gleichartig, eigen, anders. Ich wollte ein angenehmes Wort, das Körper und Geist mitschwingen lässt.
  2. Nichts  oder etwas anderes tun (Inkubation): Ich verließ den Schreibtisch. Ich hörte Podcasts, ging spazieren, traf Leute. Verschiedene Leute. Partner, Patienten, Freunde. Begrüßung, reden, verabschieden. Und noch keine Idee. (Außer den schnell wieder verworfenen: Schnittmenge, Interface, Intersection, kleinster oder größter gemeinsamer Nenner.)
  3. Erleuchtung (Illumination): Ich hab’s!!!!
  4. Test (Verifikation): Ich muss jetzt andere Menschen fragen, ob die die Metapher verstehen. Da mir die Metapher sehr gefällt und gleichzeitig kitschig wirken könnte, will ich mich nicht verletzen lassen und schiebe diese Phase vor mir her. Unvermeidbar wird die Konfrontation. Die Freundin, der ich sie (erst am Ende eines ausführlichen Gespräches) erzähle, hat einen Doktortitel. Um so schlimmer. Ich nannte, vorsichtig, den Zusammenhang und dann die Metapher. „Das geht unter die Haut“, sagte sie. Treffer.

Hier ist sie also: Die passende Metapher.

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