Hochsensible in Führungspositionen?

Hochsensible in Führungspositionen

Eine höhere Position hat durchaus Vorteile ©Depositphotos/SergeyNivens

Die von mir hochverehrte Psychotherapeutin Elaine N. Aron schreibt in ihrem Buch ‚Sind Sie hochsensibel?‘, dass 15-20% der Bevölkerung ein hochreaktives Nervensystem haben. (Etwa 70 % dieser Personen sind zusätzlich introvertiert.) In der Vergangenheit, so Aron, wurden diese Menschen vor allem als Priester und Berater eingesetzt. Diese Art Berater ergänzten die oft eher martial veranlagten Könige und Generäle.

Und heute? Der Markt für Priester ist nicht besonders groß. Für Priesterinnen erst recht nicht. Selbstverständlich hat jeder und jede auch die Möglichkeit seine eigene Glaubensgemeinschaft zu gründen. Doch damit wären diese Menschen GründerInnen. Und ob ein Leben als SektenführerIn einen wirklich aus der Schusslinie des weltlichen Lebens bringt?

Auch evangelische PfarrerInnen und katholische Priester haben nicht nur den Gottesdienst auf ihrem Terminkalender. Noch nie. Sie stehen den Menschen in gelegentlich extremen Lebenssituationen bei, organisieren die Gemeindearbeit und verantworten Finanzen. Bei den heutigen wirtschaftlich bedingten Gemeindezusammenlegungen kommen zusätzlich heikle Konfliktsituationen hinzu.

Bei BeraterInnen ist das nicht viel anders. Die Rolle des Weisen, der Weisen oder des Mentors oder der Mentorin wird oft nicht angemessen gewürdigt. Der Markt für BeraterInnen ist nicht ganz so groß, dass er 15-20% der Bevölkerung ernähren könnte. Also, was nun? Zuhause bleiben und Gedichte schreiben und malen? Tatsächlich sind viele Hochsensible auch begabte KünstlerInnen. Kreativität ist etwas Wunderbares. Doch der Kunstmarkt ist kein Picknick.

Hier kommen wir zu meiner Mission: als ganzheitliche Kommunikationsberaterin eher zurückhaltende Menschen zu inspirieren und zu stärken, damit die Welt von integeren, produktiven und friedliebenden Personen geführt wird.

Warum möchte ich gerade Hochsensible in Führungspositionen sehen? Die Sozialpsychologin Amy Cuddy bezieht sich auf Studien, die besagen, dass es Menschen in Führungspositionen schon vom Hormonspiegel her bedeutend besser geht: Der Cortisol-Spiegel, Indikator für unkontrollierbaren Leistungsstress, sinkt, die Testosteronwerte steigen. Sie lernen und üben, sich und anderen Grenzen zu setzen und können sich Freiräume einräumen, um für sich zu sorgen. Körperliche Sensibilität bedeutet nämlich auch, rechtzeitig zu spüren, wenn jemand Ihnen gegenüber dominant auftritt. Um dann ganz bewusst kognitiv zu entscheiden, ob Sie sich davon wirklich einschüchtern lassen wollen. Oder eben lieber nicht.

Hart zu arbeiten wird Ihnen auch in Führungspositionen nicht erspart bleiben, doch Sie haben in den meisten Fällen mehr Möglichkeiten, sich von allzu konzentrierter Dumm- und Grobheit fernzuhalten bzw. positiven Einfluss zu nehmen. Sie sind mit Ihren PriesterInnen- und BeraterInnen-Qualitäten ohnehin der umsichtigere Chef, die bessere Chefin. (Weitere Gründe führe ich in meinem Buch auf Seite 57 auf.) Gehen Sie also bitte aus Ihrer Isolation in die Verantwortung und damit in eine Führungsposition. Das wird nicht nur Ihnen gut tun, sondern der ganzen Welt.

Mehr Power den Hochsensiblen!

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